Bis jetzt hatte sich der Turn- und Sportbetrieb in Dossenheim fast 50 Jahre lang in mehreren Vereinen entwickelt. Doch zunehmend mehrten sich die Stimmen, die Kritik an der seit 1948 geübten Doppelgleisigkeit im Bereich des Turnens, der Leichtathletik und des Handballsports übten. Hinzu kam, daß mit der Einbürgerung von Heimatvertriebenen und Neubürgern Verkrustetes angekratzt wurde. Weshalb - so fragte man sich - sollten unter einem gemeinsamen Dach gleiche Probleme in der Geschlossenheit nicht leichter zu lösen sein?
Jetzt zahlte es sich aus, daß trotz des Rechtsstreites Ende der 40er Jahre die Vernunft siegte und sich "Jahre der guten Zusammenarbeit" angeschlossen hatten. Besonders die Aktiven der bisherigen zwei Turnvereine machten sich stark für einen Zusammenschluß. In vielen Versammlungen der Handballer, Turner und Leichtathleten beider Vereine wurde über eine Vereinigung nicht nur gesprochen, sondern diesbezügliche Forderungen an die Vereinsführung gestellt. Nachdem die Vorstandschaften beider Vereine sich ebenfalls für einen Zusammenschluß ausgesprochen hatten, konnten weitere Verhandlungen stattfinden. Bei der TSG 1889 wurden Herbert Boy und Edmund Schmitt und beim TVG 1889 Lutz Hilsheimer und Dr. Kurt Kirsch zu Verhandlungspartnern bestellt. Es gelang, die Mitglieder von der Notwendigkeit und den Vorteilen eines Zusammenschlusses zu überzeugen. Nach intensiven Vorverhandlungen und getrennt angesetzten außerordentlichen Vollversammlungen stimmten 90 Prozent der Mitglieder am 4. September 1965 für einen freiwilligen Zusammenschluß beider Vereine zur "Turn- und Sportgemeinde Germania 1889".
Die erste gemeinsame Versammlung beauftragte Lutz Hilsheimer und Herbert Boy als gleichberechtigte Vorstände mit der neuen Vereinsführung. Das war der Grundstein für eine positive Entwicklung des Vereinsgeschehens.
Von 1033 Mitgliedern getragen, ließen sich nun selbst weitgesteckte Ziele schneller realisieren, zumal die Mitgliederzahl seitdem sukzessive anstieg, ja sogar anschwoll und gegenwärtig die 2000er-Grenze überschritten hat.
Bereits im Jahre 1969 konnte anläßlich des 80jährigen Jubiläums mit der Weihe der neuen Vereinsfahne durch den Kreisvorsitzenden des Turngaues Heidelberg die Einheit der beiden Turnvereine auch äußerlich dargestellt werden.
Nunmehr entfaltete sich das letzte Quartal des Vereins-Jahrhunderts zu Jahren der Expansion.
Im Jahre 1973 übernahm Herbert Boy mit zwei Stellvertretern - Karl Holdermann und Klaus Bähr - die Vereinsführung. Diese Erweiterung der Führung war durch die größer und zahlreicher werdenden Aufgaben des Vereins notwendig.
Nachdem die politische Gemeinde im Jahre 1972 durch die Erstellung einer Sporthalle und eines Schwimmbades den vielen Dossenheimer Vereinen die Möglichkeit der sportlichen und kulturellen Entfaltung gab, war für den Großverein TSG Germania auch die Einführung neuer Sportarten möglich. Nun konnten auch endlich größere Veranstaltungen des Vereins wie Winterfeiern usw. im notwendigen Rahmen veranstaltet werden.
Im Jahre 1975 wurde Karl Holdermann, zuvor schon als Geschäftsführer tätig, zum 1. Vorsitzenden gewählt. Seine Stellvertreter wurden Klaus Bähr und Hans Eichler, ab 1981 Martin Kraft. Die Größe und die Anzahl der Abteilungen brachten einen Strukturwandel im Verein. Den Abteilungsleitern wurde mehr Verantwortung übertragen, die Vereinsvorstandschaft trägt jedoch nach wie vor die Verantwortung über das gesamte Vereinsgeschehen.
Im Jahre 1985 übernahm Klaus Bähr als Vorsitzender mit seinen gleichberechtigten Stellvertretern Martin Kraft und Ulrich Katzschmann die Vereinsführung. 1987 beschloß die Mitgliederversammlung, einer Empfehlung anderer Großvereine folgend, die Vereinsvorstände zu Präsidenten und die Abteilungsleiter zu Vorständen der Abteilungen zu benennen.
Zum Dreh- und Angelpunkt für das sportliche und gesellschaftliche Vereinsleben festigte sich die Sportanlage "Waldfrieden". Neue Anlagen entstanden. die dem Verein neue Abteilungen und damit weitere Mitglieder zuführten.
Hier die Bilanz seit 1967: Vier Kegelbahnen, elf Tennisplätze, Kunststoffbelag für den Waldsportplatz und eine Gaststätte, die allen Ansprüchen genügt. Der Gedenkstein, mit dem seit 1923 der Gefallenen und Verstorbenen gedacht wird, fand hier einen neuen und würdigen Platz. 2312 Mitglieder in neun Abteilungen repräsentieren gegenwärtig die "Turn- und Sportgemeinde Germania 1889" zum mitgliederstärksten Verein in Dossenheim. Über die Entwicklung des sportlichen Aufschwungs berichten die einzelnen Abteilungen.
Der Weg in das nächste Vereinsjahrhundert mit dem Wissen, welches dieser "Blick zurück in die Vergangenheit" den kommenden Generationen vermittelt, um Tiefen zu vermeiden und Höhen zu gewinnen, ist vorgegeben. "Wir beurteilen uns danach, was wir uns zutrauen. Andere beurteilen uns danach, was wir bereits getan haben." Durch die Jahrzehnte hindurch, an der Schwelle des zweiten Vereinsjahrhunderts, behält die von Friedrich Ludwig Jahn getroffene Äußerung - als Vermächtnis - ihre taufrische Aktualität:
"Ein Volk, das mit Lust und Liebe die Ewigkeit seines Volkstums auffaßt, kann zu allen Zeiten sein Wiedersehensfest und seinen Auferstehungstag feiern!"
A.D.